FORUM INTERKULTURELL

KREUZUNGSPUNKT VON GESELLSCHAFTLICHER RELEVANZ, KULTURWISSENSCHAFT UND MUSIK

KONZEPTION

Im INTERKULTURELLEN FORUM BAD HALL werden Themen diskutiert, die auf dem Kreuzungspunkt von gesellschaftlicher Relevanz, Kulturwissenschaft und Musik liegen. Wir möchten darüber nachdenken, welche kulturellen Ressourcen es braucht, um der – oftmals gefühlten und dann politisch instrumentalisierten – Alternativlosigkeit, einer proklamierten Härte der Sachzwänge, der Ausweglosigkeit einer krisen- und katastrophengesättigten Welt etwas entgegenzusetzen. Wie dem „Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit“ (Alexander Kluge) entkommen? Welche theoretischen Entwürfe und praktischen Experimente helfen uns, die Härte des angeblich Faktischen poröser zu machen? Welche Musik kann Zukunftsmusik sein, angesichts der vielfältigen Zumutungen und Herausforderungen einer hochgradig asymmetrischen, globalen Gesamtlage? Mit Vorträgen, Gesprächsrunden und musikalischen Interventionen rund um ein Jahresthema versucht das Forum Strategien des Ent- und Erweichens zu finden – oder zu erfinden. (Karin Harrasser/Ernst Theis)

Thema 2017 - DIE STÄRKE DER SCHWACHEN

Viel ist aktuell davon die Rede, dass die Politik die Verlierer der weltweiten ökonomischen Entwicklung zu lange vernachlässigt habe und nun die Rechnung in Form politischer Polarisierung präsentiert bekommen würde. Was, wenn die Arithmetik nicht so einfach wäre?  Welche Variablen ließen sich in die Rechnung einführen, sodass nicht am Ende die politische Forderung nach Stärkung von Identität und Souveränität herauskäme, sondern etwas wie eine Solidargemeinschaft unter Sterblichen (Thomas Macho)? Ansätze dazu lassen sich etwa in Hannah Arendts Entwurf des Exilierten als Weltbürger finden, in Überlegungen zum Minoritären als Kraft der Erneuerung, aber auch schon in jenen frühneuzeitlichen utopischen Entwürfen, die angesichts der Verheerungen Unterwerfung der „Neuen Welt“ auf die gemeinsame Empfindungs- und Denkfähigkeit aller Menschen als Basis des Politischen insistierten. Die viel gescholtene Empathie ist, wenn man sie aus einem weichgezeichneten Pietismus löst und sie als historisch präzise Kraft anerkennt, die Zukunft.

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Dr. Karin Harrasser

Kunst und Bad Hall - Töne zusammentragen, Resonanzen erzeugen, gemeinsam Nachdenken ohne Zwang zu Harmonie und Konsens - das verbindet für mich Klang, Kunst und Wissenschaft. Karin Harrasser ist heute Leiterin des Instituts für bildende Kunst und Kulturwissenschaften und der Abteilung für Kulturwissenschaft der Kunstuniversität Linz.

KURZBIOGRAFIE 

Nach einem Studium der Geschichte und der Germanistik promovierte Karin Harrasser 2005 an der Universität Wien mit einer Dissertation zu Computerhystorien. Erzählungen der digitalen Kulturen um 1984. 2014 habilitiert sie sich an der Humboldt-Universität zu Berlin über Prothesen. Figuren einer lädierten Moderne. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen: Körper-, Selbst- und Medientechniken, Prozesse der Verzeitlichung, Theorien des Subjekts / der Objekte, Populärkultur / Science-Fiction, Geschlecht und Agency, Genres und Methoden der Kulturwissenschaft. Karin Harrasser ist aktuell Leiterin des Instituts für Kulturwissenschaft der Kunstuniversität Linz. Neben ihren wissenschaftlichen Tätigkeiten war Karin Harrasser an verschiedenen kuratorischen Projekten beteiligt, u.a. Die Untoten: Life Sciences & Pulp Fiction bei Kampnagel Hamburg, Die Irregulären – Ökonomien des Abweichens bei NGBK Berlin, Lures of Speculation am TQ Wien.

Gemeinsam mit Elisabeth Timm gibt Karin Harrasser die Zeitschrift für Kulturwissenschaften heraus. Zu ihren zentralen Publikationen gehören

  • Prothesen. Figuren einer lädierten Moderne. Vorwerk8, Berlin 2015
  • Körper 2.0. Über die technische Erweiterbarkeit des Menschen. Transcript, Bielefeld 2013

Einige wichtige Publikationen in Koautorenschaft sind

  • mit Katja Rothe: Diätetiken des Schreibens. Rezepturen und Übungen. Mitterverlag, Wels 2015
  • mit Lars Friedrich, Daniel Tyradellis, Joseph Vogl: Figuren der Gewalt. Diaphanes, Berlin/Zürich 2014
  • mit Doris Harrasser, Stephanie Kiessling, Sabine Sölkner, Veronika Wöhrer: Wissen Spielen. Untersuchungen zur Wissensaneignungen von Kindern im Museum. Transcript, Bielefeld 2011